Der 1987 in Salvador de Bahia geborene Musiker und Musikproduzent Mahal Pita ist Teil von PlusAfroT, dem Kollektiv brasilianischer Künstler, die sich derzeit in der Villa Waldberta, dem Künstlerhaus der LH München, aufhalten und sich intensiv mit der afrobrasilianischen Kultur und dem Rassismus in der Kunst- und Kulturszene in Brasilien und anderswo beschäftigen.
Auf der Alten Utting gibt es nun die Möglichkeit, den Performance- und Sound-Künstler persönlich zu erleben.
Bei seiner Live-Sound-Performance mischt und improvisiert Mahal Pita Klänge elektronischer Instrumente, unter dem Zeichen einer Improvisation als Band. Die Performance entwickelt sich organisch, indem sie klassische Elemente der brasilianischen Musik aus Salvador de Bahía, dem Geburtsort des Künstlers, mit eigenen Kompositionen, klanglichen Erinnerungen des Stadtkörpers und anderen musikalischen Verweisen auf die Erfahrung der Afrodiaspora vermischt.
Hintergrund ist die Vorstellungswelt der Volksfeste, in der das Heilige und das Profane nicht von einander getrennt sind und die in dieser Verbindung ihre ganze Kraft entfaltet. Mit seinen Improvisationen versucht Mahal Pita, die Komplexität der musikalischen Bezüge und ihrer Herkunft erfahrbar zu machen, denn er geht davon aus, dass die Stadt Salvador bereits seit ihrer Entstehung das Vermitteln als Übung versteht.
Die afrobrasilianischen KünstlerInnen verschiedener Disziplinen, die seit Januar in der Villa Waldberta zu Gast sind, teilen ihre im Künstlerhaus der LH München erarbeiteten künstlerischen Prozesse.
Am höchsten Punkt Feldafings, mit dem Blick auf den Starnberger See, mitten im Winter und in der „luxuriösen“ Architektur des Hauses/Schlosses, versunken in eine multidisziplinäre Künstlerresidenz, erkennen wir, was für einen Lärm die Anwesenheit unserer Körper in diesem Kontext erzeugt.
Dessen Wirkung geht durch unsere Körper hindurch und versetzt uns an einen unbekannten Ort. Es bleiben Überreste – der verlorene Körper – und davon ausgehend treiben wir unseren Prozess des Zer-schaffens fort. Die Ortsveränderungen werden zu Choreographien.
Bei dem offenen Abend in der Villa Waldberta können Interessenten in zwangloser Atmosphäre die Künstler der Residenz PlusAfroT kennenlernen. Diese Tradition gibt es dort seit vielen Jahren. Die Künstler geben Einblick in ihre Arbeit im Sinne eines Work-in-progress. Bei gemeinsamem Essen und Trinken gibt es die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.
PlusAfroT ist eine Plattform für afrobrasilianische Künstler und will zugleich als Konzept, Programm, Manifest und Projekt verstanden werden.
PlusAfroT kann zugleich als Konzept, Programm, Manifest und Projekt verstanden werden, das zum Ziel hat, die zeitgenössische afrobrasilianische Kultur zu fördern: Drei Monate lang werden afrobrasilianische KünstlerInnen verschiedener Disziplinen in der Villa Waldberta, Künstlerhaus der Stadt München in Feldafing, einen seit mehreren Jahren stattfindenden Austausch fortführen, in kreative Prozesse eintauchen und temporäre Gemeinschaften mit hiesigen Künstlern bilden.
Im Fokus steht die Untersuchung normativer Konflikte und sozialer Normen im Verhältnis zwischen Brasilien und Deutschland sowie die Verschiebung von Körpern in Raum und Zeit als Choreographie. Welche Auswirkungen haben diese Konflikte auf „Fremd-Körper“ in unbekannter Umgebung? Was vermögen künstlerische Praktiken als Instrumente der Vermittlung, des Infragestellens, der Reibung und des Dialogs zu erreichen?
Die Ergebnisse der Rechercheprozesse, Workshops und des Austauschs werden bei diversen Veranstaltungen in München sichtbar.
Malu Avelar (Tänzerin, Schauspielerin); Lenna Bahule (Musikerin, Sängerin, Tänzerin); Diane Lima (Kuratorin, Gründerin AfroTranscendence, Produzentin, Design); Ana Paula Mathias (Design;Videokunst); Guinho Nascimento (Bildende Kunst, Performer, Tänzer); Grace Passô (Schauspielerin, Dramaturgin, Regisseurin); Iagor Peres (Videokunst, Performer); Mahal Pita (Performer, Musiker, Musikproduzent); Leitung: Mario Lopes (Kurator, Choreograph, Tänzer)
Donnerstag, 31. Januar, 20 Uhr
Black Box, Gasteig
Dienstag, 19. Februar, 19 Uhr
Friedrich-Ebert-Stiftung, Bayernforum
Donnerstag, 21. Februar, 18 Uhr
Villa Waldberta, Feldafing
Donnerstag, 14. März, 19:30 Uhr
Köşk, Schrenkstraße 8