Heute bin ich ein Horizont / Aus Jasmin und Meer / Und deswegen ist es unwichtig / Dass du nicht vorhast / Ans Meer zu gehen (…)
Mariana Ianelli, Autorin dieser Zeilen, ist eine der elf brasilianischen Stimmen der zweisprachigen Lyrik-Anthologie Heute bin ich ein Horizont. Hoje sou um horizonte (Hagebutte Verlag, 2026), die an diesem Abend im Bellevue di Monaco vorgestellt wird. Die Auswahl der Gedichte, die erstmals auf Deutsch erscheinen, traf der Dichter und Literaturprofessor Leonardo Tonus. Dabei nahm er sowohl etablierte als auch weniger etablierte Namen in den Fokus, so u.a. Dichter*innen wie Adriana Lisboa und Tarso de Melo, Edimilson de Almeida Pereira und Sony Ferseck. Das erklärte Ziel des Herausgebers war es dabei, ein feinfühliges Panorama der aktuellen poetischen Produktionen zu zeigen. Mit diesem Reigen an zeitgenössischen Gedichten, deren Hintergründe, Themen und Formen so unterschiedlich wie vielfältig sind, gelingt es ihm, die literarische, kulturelle und ethnische Diversität Brasiliens abzubilden.
Die Gedichte werden von 21 Illustrator*innen visuell interpretiert: Die Poesie der Texte findet Eingang in Bilder, Zeichnungen und Aquarelle, von feinen Strichen bis zu bunten Flächen, vom Figurativen bis zum Abstakten.
Lilli-Hannah Hoepner hat die Gedichte im regen Austausch mit den Autor*innen ins Deutsche übertragen.
Herausgeber Leonardo Tonus und Übersetzerin Lilli-Hannah Hoepner stellen die Anthologie vor, moderiert vom Hagebutte-Verleger Martin Pflanzer.
Leonardo Tonus geboren in São Paulo, ist Professor für brasilianische Literatur an der Universität Sorbonne. Er lebt seit 30 Jahren in Frankreich und arbeitet in den Bereichen zeitgenössische brasilianische Literatur, Literaturtheorie und vergleichende Literaturwissenschaft mit Forschungen zur Migration. Als Autor publizierte er mehrere Gedichtbände. 2023 erschien sein Lyrikband Diários em mar aberto in der Übersetzung von Lilli-Hannah Hoepner unter dem Titel Aufzeichnungen von hoher See beim Hagebutte Verlag.
Lilli-Hannah Hoepner studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Sie arbeitete als Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Frankfurt und ist seitdem als freie Regisseurin an verschiedenen deutschen Stadttheatern und auch immer wieder in Brasilien tätig. Sie arbeitet als Dialogbuchautorin und Synchronregisseurin sowie als Übersetzerin.
In der vom Generalkonsul und Schriftsteller João Almino begründeten Reihe ‚Große Brasilianische Autoren‘ finden sich Essays namhafter Intellektueller zu Klassikern der brasilianischen Literatur. Sie beschäftigen sich unter anderem mit der Suche nach Geselligkeit bei Machado de Assis, der wechselseitigen Inspiration von Malerei und Literatur beim Modernisten-Paar Tarsila do Amaral und Oswald de Andrade, oder auch mit Euclides da Cunhas anhand des Krieges von Canudos entwickelter Soziologie, die die brasilianische Identität im 20. Jahrhundert prägte. Luísa Costa Hölzl führt in die Reihe ein.
Die Sozialwissenschaftlerin Barbara Freitag befasst sich in ihrem Beitrag mit den Reisen deutschsprachiger Gelehrter durch das Brasilien des 19. Jahrhunderts. In ihrem vierteiligen Essay folgt sie den Spuren der Amazonasexpeditionen des österreichischen Zoologen Johann Natterer und des Mediziners Georg Heinrich von Langsdorff, sowie neben Adelbert von Chamissos „Reise um die Welt“ (1836) vor allem den bedeutenden Reisen der beiden bayerischen Naturforscher und Freunde Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Phillipp von Martius, die nicht zuletzt Goethes Interesse an Brasilien weckten.
Im Anschluss an diesen Spaziergang durch die literarische Vergangenheit Brasiliens stellt der Lyriker Leonardo Tonus gemeinsam mit der Übersetzerin Lilli-Hannah Hoepner seinen neuesten Gedichtband Aufzeichnungen von hoher See vor (Hagebutte Verlag, 2023). Darin ergründet er die Fluchtbewegungen unserer Zeit und die Migrationsgeschichte der eigenen Familie: Worte als Orientierungspunkte auf einer inneren Sternenkarte, Gedichte als Logbucheinträge auf einem Meer zwischen Gestern und Heute.
Der literarische Spaziergang wird musikalisch von Caiana Duo begleitet, die als Initiatoren der Roda de Choro in München bekannt geworden sind.
Durch den zweisprachigen Abend (portugiesisch/deutsch) führt Luísa Costa Hölzl.
Mit: Barbara Freitag (Sozialwissenschaftlerin), Leonardo Tonus (Lyriker) und Lilli-Hannah Hoepner (Übersetzerin).
Musik: Caiana Duo (Abdallah Harati, João Araújo)
Moderation: Luísa Costa Hölzl