Bereits zum 15. Mal zeigt das Underdox Filmfestival in München sein Programm aus Dokumentation und Experiment, auch in diesem Jahr wieder mit portugiesischen Filmen.
Armour (PT/ CA 2020, 30min, engl., franz. OmeU)
Die Einstellungen zeitloser Landschaften und verschlafener Vororte dauern meist nur wenige Sekunden. Gelegentliche Inserts verknüpfen die Bilder mit der Geschichte von Hector, der allmählich die Kontrolle über sein Leben verliert. Trunken taumelt er in einer Ritterrüstung durch die Gegend von Rimouski (Québec), während er sich von der Welt entfremdet, fast wie am Vorabend des Jüngsten Gerichts.
Regisseur Sandro Aguilar (geb. 1974 in Angola, aufgewachsen in Portugal) zählt zur „shorts generation“, einer Gruppe Filmschaffender, die dem Kurzfilm neue Berechtigung verleihen.
A Dança do Cipreste (PT 2020, 37 min, port., engl. OmeU)
Ein Feld: Blumen – Gelb – Insekten. Das Gesicht einer Frau erscheint im Close-up, in die Kamera starrend, dazu Barockmusik. Mit Kohle zeichnet die Frau erotische Szenen und sexuelle Zweikämpfe auf die Steine. Szenenwechsel: Eine Meeresküste und deren demütige Bewohner: Seesterne, Seetang, Muscheln, Mollusken. Die Kunst erscheint wollüstig und um sie herum tobt das ekstatische Leben in voller Wucht. Just open your eyes! (FID Marseille)
Die Regisseur:innen Francisco Queimadela & Mariana Caló arbeiten seit ihrem Studium an der Academy of Fine Arts in Porto zusammen. Seit zehn Jahren präsentierten sie ihre Arbeiten auf internationalen Ausstellungen und Filmfestivals.
— Aufgrund der pandemischen Entwicklung und der damit verbundenen Schließung des Kinos, musste das Festival leider abgesagt werden. Wir bedauern dies sehr und bedanken uns für Ihr Verständnis.—
Im Rahmen des 4. Brasilianischen Frühlingsfestival werden am Sonntag, 22. März, zwei Filme gezeigt, die auf das literarische Werk von Luiz Ruffato zurückgehen.
18:00h
Spielfilm nach dem gleichnamigen Roman von Luiz Ruffato. Erzählt wird die Geschichte von Sérgio de Souza Sampaio aus Cataguases, Minas Gerais, der nach einer Reihe von Enttäuschungen beschließt, nach Portugal zu ziehen. Dort will er Geld verdienen und später nach Brasilien zurückkehren. Das Leben in Lissabon zeigt ihm die schwierige Lage eines Einwanderers, die sich stark von seinen Träumen unterscheidet.
OmenglUT (Drama BR/PT 2016, 1h34)
Regie: José Barahona
19:45h
Der Film behandelt Geschichten aus dem Opus von Luiz Ruffato, Vorläufige Hölle. Am Weihnachtsabend treffen sich zwei Freunde aus Kindheitstagen wieder. Die Begegnung spült ein gemeinsames Trauma an die Oberfläche. Das intensive Treffen der beiden bietet die Möglichkeit die unterschiedlichen Wege der Freunde neu zu bewerten, über Erinnerungen, Reue und Freundschaft zu sprechen.
OmU (Drama BR 2016, 1h40)
Regie: José Luiz Villamarim
Im weiteren Programm des 4. Brasilianischen Frühlingsfestivals werden ein Dokumentarfilm, sowei Dramen und Komödien gezeigt. Außerdem gibt es täglich Live-Musik (Vando Oliveira am Freitag und Luan Fernando am Samstag und Sonntag) und kulinarische Spezialitäten aus Brasilien.
Freitag, 20. März
20:30h Simonal
Samstag, 21. März
16:30h Amizade – Teokoayhu
18:30h Oração do Amor Selvagem
20:30h Maria do Caritó
Sonntag, 22. März
16:00h Se eu fosse você 2
— Aufgrund der pandemischen Entwicklung und der damit verbundenen Absage der Lesereise durch die Autorin, muss die Lesung leider abgesagt werden. Wir bedauern dies sehr und bedanken uns für Ihr Verständnis. —
In ihrem autobiografischen Bericht, Roter Staub. Mosambik am Ende der Kolonialzeit (2019, Weidle Verlag), setzt die portugiesische Schriftstellerin Isabela Figueiredo sich sehr persönlich und kritisch mit dem portugiesischen Kolonialismus in Mosambik auseinander.
Die Erzählerin wuchs als junges Mädchen in der Hauptstadt Mosambiks auf, dem heutigen Maputo. Im Zentrum ihrer Erinnerungen steht der Vater der Autorin, der seit den 1950er Jahren in Mosambik lebte und arbeitete. Den ärmlichen Verhältnissen der portugiesischen Provinz entflohen, entfaltet er seine Macht als Weißer, und die Tochter erlebt es hautnah mit. Ihre unschuldige Perspektive ist es, die die vermeintlich so „sanfte“ portugiesische Herrschaft in Übersee als Mythos entlarvt: Der Alltag ist von Diskriminierung, offenem Rassismus, Sexismus und Gewalt gegenüber der einheimischen Bevölkerung geprägt.
Aus der Distanz von vier Jahrzehnten verhandelt Isabela Figueiredo die koloniale Vergangenheit Portugals und stellt sich ihrer eigenen, vor allem der Beziehung zu ihrem Vater. Ihr erschütternder Bericht wurde, als er 2009 nach dem Tod ihres Vaters erstmals in Portugal erschien, sofort zum Skandal, denn der ungeschönte Blick auf die koloniale Vergangenheit war ein Tabubruch.
Die Journalistin und Schriftstellerin Isabela Figueiredo wurde 1963 in Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, geboren und 1975, nach der Nelkenrevolution in Portugal und der Unabhängigkeit Mosambiks, zu Verwandten zurück ins Landesinnere Portugals geschickt. 2016 veröffentlichte sie den Roman A Gorda (dt. Die Dicke), der mehrfach ausgezeichnet wurde. Auf ihrem Blog publiziert sie regelmäßig Kurzprosa.
Lissaboner Lebensart ins Münchnerische übersetzt. Fado ist seit 2011 immaterielles Weltkulturerbe und wird von portugiesischen Musiker:innen in allen Winkeln des Erdballs präsentiert. Die großen Konzerthäuser sind gefragt, aber die ursprünglichen Orte dieser Musik wie Kneipen, Restaurants und Nachtclubs werden meist nur in Portugal bespielt.
Bei Fado in Giesing werden zwei Sänger:innen aus Lissabon an drei Abenden das urige Kneipengefühl dieser Musik dem Münchner Publikum näherbringen. Charakteristisch sind mehrere kurze Sets. Dazwischen ist Zeit für Geselligkeit und Alltagsgespräche. Der Gesang wird abwechselnd von Matilde Cid und Manuel Marçal vorgetragen und an der klassischen und portugiesischen Gitarre von Henrique de Miranda Rebouças und Luís Maria Hölzl begleitet.
Termine:
Donnerstag, 30.01., um 20 Uhr im RiffRaff, Tegernseer Landstraße 96
Freitag, 31.01., um 16 Uhr Zum Tony, Schönstr. 21, und 18 Uhr im Kastaniengarten, Martin-Luther-Str. 11
Samstag, 01.02., um 21 Uhr im Ambar Bistro, Tegernseer Landstraße 25
Matilde Cid stammt aus einer Musikerfamilie und kam über ihre Mutter zum Fado. Sie sang in der berühmten „Casa das Mariquinhas“, stand mit João Braga auf der Bühne und nahm am Fado Festival der Caixa Alfama (von 2014-2017) teil.
Manuel Marçal ist Fadosänger und will mit der von ihm gegründeten Organisation Fatum den Touristen in Lissabon den wahren Fado zeigen, fernab der typischen Touristenmeilen und Restaurants. Er war künstlerischer Leiter von zwei Fadohäusern und produzierte in London das Musical Once in Fado.
Luís Maria Hölzl erhielt an der Hochschule für Musik in Würzburg seine Ausbildung zum Diplomgitarristen (2012 Meisterklasse). Er ist Gründer und Mitglied von Fado Sul und dem Trio Fado (Berlin). Seit 2008 ist er Teil des Projektes Fado Errático von Stefano Gervasoni mit der fadista Cristina Branco. In der bayerisch-brasilianischen Band Bavaschôro mixt er seine bayerischen und lusofonen Wurzeln ebenso wie portugiesische Gitarre/Cavaquinho und Violine. www.luismariahoelzl.de
Henrique Rebouças (Salvador de Bahia, Brasilien) studierte Klassische Gitarre an der Universidade Federal von Bahia. Durch ein Stipendium des DAAD beendete er sein Meisterklassestudium an der Musikhochschule in Augsburg und machte 2014 einen Master of Arts im Mozarteum (Salzburg). Aktuell spielt er u.a. bei Bavaschôro, dem Márcio Schuster Trio, Fado Sul, Njamy Sitson, Thomas Etschmann, Vatapá. Neben den Standardwerken für Gitarre Solo, befasst er sich vor allem mit der traditionellen Musik Brasiliens.
Zum 25. jährigen Jubiläum bietet das Theaterfestival SPIELART wieder ein umfangreiches Programm mit Performances, Choreografien, Videos, Lectures bis zum Bandkonzert mit Puppenspiel, einer Gesprächsreihe und natürlich das täglich geöffnete Festivalzentrum um sich auszutauschen und zu feiern. Zahlreiche Künstler*innen der diesjährigen SPIELART-Ausgabe leiten strukturelle Analysen aus persönlichen Erfahrungen ab, indem sie diese in politische Kontexte überführen. Die Künstler*innen erzählen von Krieg, Flucht und Migration, aber auch vom Willen und den Kämpfen, als Frau ohne äußere oder verinnerlichte Unterdrückung zu leben. Was viele der Arbeiten eint, ist ein Unwohlsein gegenüber den neoliberalen westlichen Strukturen, die zumindest den hiesigen Alltag und die Kunst zunehmend im Griff haben sowie ein Wissen um die Verwobenheit der Welt.
Mit dabei sind zahlreiche Künstler*innen aus portugiesischsprachigen Ländern, deren Veranstaltungen LUSOFONIA e.V. als Kooperationspartner präsentiert:
Nástio Mosquito (Luanda / Gent / Lissabon)
A SONG TO HEAR YOU ARRIVING Sofia Dinger (Lissabon)
SOLO FÜR MARIA Maria Tembe / Panaibra Gabriel Canda (Maputo)
THE FURIOS RODRIGO BATISTA (A-Side und B-Side) Rodrigo Batista (Sao Paulo / Amsterdam)
Luanda Casella (Sao Paulo / Gent)
Das komplette Programm, nähere Informationen & Tickets unter:
www.spielart.org