Das 14. UNDERDOX Filmfestival in München zeigt auch dieses Jahr wieder portugiesisches Kino, nachdem zuletzt Portugal Länderschwerpunkt gewesen ist und viele Kontakte geknüpft werden konnten. Das Festival eröffnet mit dem Gewinner des Goldenen Leoparden von Locarno, Pedro Costas VITALINA VARELA.

Donnerstag, 10. Oktober, 19:00 Uhr, Filmmuseum München

VITALINA VARELA (PT 2019, 124 min) ist eine nachtschwarze Geistergeschichte, streng, bildgewaltig, expressionistisch. Vitalina hat 25 Jahre auf den Kapverden auf ihr Flugticket nach Lissabon gewartet und schafft es jetzt nicht einmal rechtzeitig zur Beerdigung ihres Ehemanns. Ihr vergebliches Leben kommt in der Erinnerung auf und der nicht in Erfüllung gegangene gemeinsame Lebenstraum.

Vitalina Varela, die ihre eigene Lebensgeschichte darstellt, war bereits in Pedro Costas HORSE MONEY zu sehen und wurde in Locarno mit dem Leoparden für die Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1
Kartenvorbestellung: 089 / 233 964 50

Mittwoch, 16. Oktober, 18:30 Uhr, Werkstattkino

Die portugiesischen Filmemacher Hiroatsu Suzuki und Filipe Carvalho sind zu Gast. Sie zeigen in einem gemeinsamen Programm zwei Dokumentarfilme, die sich den abgelegenen Landstrichen des Alentejo widmen:

Hiroatsu Suzuki kommt ursprünglich aus Japan und hat sich Portugal als Wahlheimat ausgesucht. Gemeinsam mit der Portugiesin Rossana Torres hat er in TERRA (PT 2018, 60 min) Köhler dokumentiert, die auf traditionelle Weise Holzkohle herstellen. Die Elemente des Feuers, des Wassers, der Luft und der Erde feiern die weite Landschaft. TERRA wurde auf dem Dokumentarfilmfestival DocLisboa mit dem Preis für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der junge Filmemacher Filipe Carvalho dokumentiert in LIFE OUT THERE HAS IT BEEN SEEN? (A VIDA AQUI, ESTÁ VISTA?) (PT 2018, 30 min) das Leben bei den Minen von São Domingos bei Mértola im Alentejo. Im alten Bergbau von São Domingos ist das Pyrit ausgegangen. Aber in diesem entlegenen Gebiet, einem nationalen Kulturerbe, hält das Leben an. Carvalhos Film wurde beim Dokumentarfilmfestival von Nyon uraufgeführt.

Die Filme werden im portugiesischen Original mit engl. UT gezeigt.

Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9
Kartenvorbestellung: 0179 / 28 40 279
Eintritt: 7 €

Mehr Informationen auch hier: www.underdox-festival.de

Die Filme werden im Rahmen von UNDERDOX gezeigt, mit freundlicher Unterstützung von LUSOFONIA e.V.

Der angolanische Schriftsteller José Eduardo Agualusa stellt seinen Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens (Verlag C.H. Beck, 2017) zusammen mit seinem Übersetzer Michael Kegler vor.

Am Vorabend der angolanischen Revolution ergreifen die ehemaligen Kolonisatoren panisch die Flucht. Ludovica, eine schüchterne Portugiesin, bleibt zurück. Sie traut sich nicht aus dem Haus, zieht zwischen Wohnungstür und Treppenhaus eine Mauer hoch und richtet sich, einem Robinson Crusoe ähnlich, in ihrer Insel ein: dem letzten Stock eines feinen Hochhauses in Luanda, das unter den unterschiedlichsten Akteuren des jahrzehntelangen Bürgerkrieges zu einer Behausung von Armen und Flüchtlingen mutieren wird. Von ganz oben, mit Blick auf den wachsenden Moloch Luanda, wird sie von den Umwälzungen nur wenig mitbekommen und dennoch ohne Absicht und durch eine Kette von Zufällen das Leben einiger Menschen beeinflussen. In ihrer Einsamkeit notiert Ludovica an den Wänden des Appartements ihr Leben, so wie der Roman die vielen Lebensgeschichten aufschreibt, um gegen die allgemeine Theorie des Vergessens die Erinnerungen eines Landes lebendig zu halten.

José Eduardo Agualusa gelingt es, mit Empathie für seine Protagonisten und heiterer Leichtigkeit, schwere Themen zu behandeln wie Krieg und Gewalt, Korruption und Gier, Angst und Hass.

José Eduardo Agualusa, 1960 in Huambo/Angola geboren, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Seine Gedichte, Erzählungen und Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Eine allgemeine Theorie des Vergessens stand auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2016. Agualusa lebt als Schriftsteller und Journalist zurzeit in Mosambik.

Michael Kegler erhielt 2014 den Straelener Übersetzerpreis und, gemeinsam mit dem von ihm übersetzten Luis Ruffato, 2016 den Hermann Hesse-Preis der Stadt Calw. Er übersetzte auch die drei zuletzt auf Deutsch erschienenen Romane von Agualusa.

Eine Veranstaltung der Münchner Stadtbibliothek in Kooperation mit LUSOFONIA e.V. und dem C.H. Beck Verlag

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Die außergewöhnliche Sängerin Gisela João versteht es, die traditionelle portugiesische Musik mit zeitgenössischen, urbanen Sounds zu verbinden und ihr so eine spannende Aktualität zu verleihen. Ihre warme, volle Stimme ist in jedem Moment voller Gefühle, und nimmt die Zuhörer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mit, die schwindelig macht. Dass der Vergleich mit Portugals berühmtester Fadosängerin nicht weit hergeholt ist, zeigt Joãos Auszeichnung mit dem Amália Best New Artist Award. Auf ihrer aktuellen Tournee präsentiert sie in der klassischen Bandbesetzung des Fado ihr neues Album NUA.

Gisela João stammt aus Barcelos und lebt nun im Lissabonner Stadtteil Mouraria. Die junge Fadista ist eine Ausnahmeerscheinung. Ihr Debütalbum wurde 2014 unisono mit Kritikerlob eingedeckt – «ein Meilenstein in der Geschichte des zeitgenössischen Fado» – und von den bedeutendsten Magazinen und Zeitungen zum besten portugiesischen Album des Jahres gewählt. Es erreichte Platz 1 der Charts und erhielt die „Goldene Schallplatte“. Perfektioniert wird das Bild der neuen Shooting Star-Fadista durch ihr «freches und ungezwungenes Auftreten» (Badische Zeitung) und ihre erfrischende Bühnenpräsenz.

«Nichts bei Gisela João erinnert an eine Fadosängerin, nichts scheint sie mit einer Tradition zu verbinden. Außer der Stimme. Es ist ihre Stimme, die sie zu einer großen Sängerin macht.» (João Bonifácio, Público)

„Portugal’s most widely acclaimed fado singer to emerge in this decade!“ – NEW YORK TIMES

Video „Labirinto Ou Não Foi Nada“

Eine Veranstaltung des Muffatwerks mit freundlicher Unterstützung von LUSOFONIA e.V.

„Ich fühle mich vielfältig. Ich fühle mich als verschiedene Wesen. Ich fühle mich fremde Leben leben…“ – Fernando Pessoa

Portugiesischprachiger Vortrag von Dr. Dionísio Vila Maior (Universidade Aberta, Lissabon) über den großen portugiesischen Dichter der Moderne, Fernando Pessoa.

Um das schriftliche Werk und die Gedankenwelt des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa zu verstehen, wird der Pessoa-Kenner Dr. Dionísio Vila Maior zwei herausragende Aspekte an Pessoas Werk behandeln: den poetische Schaffensprozess und die Heteronymie – Pessoas Erschaffung verschiedener Persönlichkeiten, unter deren Pseudonym er schrieb und die er u.a. mit vollständigen Biografien und eigenen literarischen Ansätzen ausstattete. Dr. Vila Maior wird die Profile der Heteronyme Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos näher vorstellen und sich damit beschäftigen, welche „Lektionen“ wir jeweils aus diesen Ichs ziehen können. So wird deutlich, warum Pessoa als einer der größten Dichter überhaupt gilt.

Dr. Dionísio Vila Maior ist Professor der Universidade Aberta und forscht am Zentrum für lusofone und europäische Literaturen und Kulturen der Universidade de Lisboa. Über Fernando Pessoa hat er zahlreiche Arbeiten publiziert und Vorträge gehalten.

Eine Veranstaltung der MVHS in Zusammenarbeit mit LUSOFONIA e.V.

Fernando Pessoa, der bedeutendste Dichter Portugals nach Camões und einer der großen Dichter der klassischen Moderne, hinterließ zum Thema Faust eine Fülle von über den ganzen Nachlass verstreuten Manuskripten, die sich nur schwerlich zu einem Theaterstückfragment zusammenstellen ließen. Darin ertönt die Stimme des Poeten, der Faust nacheifert und sich selbst unentwegt nach dem tieferen Sinn menschlicher Existenz, nach dem Geheimnis des Universums fragt.

Wie für Goethe war für Pessoa die Beschäftigung mit Faust ein lebensbegleitendes Vorhaben. Erste Fragmente des Stücks „FAUSTO. Tragédia Subjectiva“ entstanden um 1908, das letzte 1933, zwei Jahre vor seinem Tod.

Aus dem Stück, erst 1990 auf Deutsch von Georg Rudolf Lind ediert und übersetzt, lesen die portugiesische Sängerin Maria Rui und die deutsche Schauspielerin Marion Schneider abwechselnd in ihrer Muttersprache, während Maria Rui sich bei ihrer feinfühligen Interpretation portugiesischer Klänge an der Gitarre begleitet.

Maria Rui, portugiesische Komponistin und Sängerin, geboren in Porto, lebt in München, wo sie Luft- und Raumfahrttechnik studierte. Sie nennt ihre eigene Musik “atlantisch”, eine eigene Mischung aus Fado, Bossa Nova, Pop und Jazz. Zuletzt erschien ihr Album Tu não vês 2017 in München.  www.mariarui.com

Marion Schneider, deutsche Schauspielerin. Ausbildung an der Film- und Fersehschauspielschule EFAS, Zürich. Mehrere Rollen in Film und Fersehen und Auftritte am Theater. Sie lebt in München.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Faust-Festivals (hier mehr) in Kooperation mit Pro Arte e.V.