Der Choro gilt als älterer Bruder des Samba, und im Januar 2022 widmet sich ihm ein ganzes Festival. Die Münchner Band Bavaschôro kuratiert das erste Festival de Chôro Munique im Kulturzentrum LUISE. Es werden verschiedene Konzerte stattfinden, dazu eine sogenannte Roda de Choro (Jam Session), brasilianisches Essen und Workshops.
Freitag, 21. Januar 2022, 20:00h
Brasilianischer Choro mit bayerischem Touch. Die Münchner Band, bestehend aus den fünf Jungs Henrique de Miranda Rebouças (Gitarre), Marcio Schuster (Saxophon und Komposition), den Brüdern Ludwig (Percussion, Horn und Tuba) und Xaver Himpsl (Flügelhorn) und Luís Maria Hölzl (portugiesische Gitarre), begeistert sowohl mit Eigenkompositionen als auch mit traditionellen Choros, von Pixinguinha und anderen brasilianischen Komponisten. Mit Bavaschôro kehrt diese Musikform nach Europa zurück, gewürzt mit originellen Arrangements und bayerischen Klängen.
Website Bavaschôro https://www.bavaschoro.de/
Eintritt 18€/14,40€
Samstag 22. Januar 2022, 10-14:00h
João Araújo ist ein brasilianischer Komponist, Dichter, Percussionist und Plattenproduzent. Er wurde in Recife geboren, einer Stadt mit Einflüssen von europäischen, afrikanischen und indigenen Völkern des amerikanischen Kontinents. Diese Einflüsse haben die eklektischen Ausdrücke in seiner Arbeit geprägt. Er kommt aus einem multidisziplinären akademischen Hintergrund, mit einem Master-Abschluss in Physik und einem anderen in Gegenwartsliteratur. Während seiner Karriere schrieb er Essays über brasilianische Kultur, wissenschaftliche Artikel und vielfältige Literatur zum pandeiro (Schlaginstrument).
Website João Araújo https://poetajoao.com/
Eintritt 10€
Samstag, 22. Januar 2022, 17h
Abdallah Harati ist Musiker, Produzent und Business Stratege. Er wuchs im Bundesstaat São Paulo in einer musikalischen Familie auf und spielte Flöte, Klavier und schließlich Gitarre. Er war selbst Mitglied und Schüler der Choro-Schule escola portátil de musica, wo er mit Luciana Rabello, Maurício Carrilho, Pedro Amorim, Álvaro Carrilho und Celsinho Silva zusammenarbeitete. Er studierte außerdem am Berklee College of Music in Boston und in Granada in der Schule Carmen de Las Cuevas. Seit Anfang der Pandemie 2020 hat Abdallah 12 Singles und eine EP herausgebracht und auf diversen digitalen Plattformen vermarktet.
Eintritt frei, bitte Onlineticket erwerben
Samstag, 22. Januar 2022, 20h
Das Duo Choro de Rua besteht aus der italienischen Flötistin Barbara Piperno und dem brasilianischen 7-saitigen Gitarristen und Mandolinisten Marco Ruviaro. Das Projekt wurde 2012 aus dem Wunsch heraus geboren, den Choro in Italien und Europa zu verbreiten und somit allen die Möglichkeit zu geben diese anspruchsvolle Instrumentalmusik zu genießen. Choro de Rua leistet eine einzigartige Arbeit, weil sie mit ihrer unkonventionellen Form der Musikverbreitung die Menschen auf den Straßen Italiens mit dieser Musik anspricht. Dank dieser Auftrittsform hatte Choro de Rua eine intensive Auseinandersetzung mit einer vielfältigen Zuhörerschaft. Die erste CD „Aeroplanando“ (2013) wurde in drei Auflagen herausgebracht und das Programm in über 30 Ländern gespielt.
Die zuletzt erschienene CD „Santo Bálsamo“ (2020) wurde ebenso gut angenommen und hat das gleiche Ziel wie die Produktionen vorher, nämlich ein breites, buntes Publikum zu erreichen. Diesmal mit zeitgenössischen Choros, die zeigen, dass diese Musikform bunt in Klangfarben und Einflüssen ist und sich immer wieder weiterentwickelt.
Website Choro de Rua http://www.choroderua.com/
Tickets 15€/12€
Sonntag, 23. Januar 2022, 10–14h
Mit Souvenir Destell. Der Capoeirista Souvenir der Gruppe Capoeira de Ouro Regensburg baut mit Kindern ab 5 Jahren (max 1 Erwachsener pro Kind) das typische Percussions-Instrument des Choro. Es entsteht ein spielbares Instrument. Die Teilnehmer*innen sind an allen Schritten beteiligt, vom Basis-Rahmen bis zur äußeren Verzierung der Rahmentrommel.
Eintritt frei, bitte Onlineticket erwerben
Sonntag, 23. Januar 2022, 14h
Eine Jam Session für die Choro-Musik. Mit allen Musiker*innen des Festivals.
Eintritt frei, bitte Onlineticket erwerben
Seit ihrem ersten Album „Pra Gente Acordar”, das prompt eine Latin-Grammy-Nominierung in der Kategorie Bestes zeitgenössisches Pop-Album in portugiesischer Sprache erhielt, haben sich die Gilsons einen festen Platz in der brasilianischen und internationalen Musikszene erobert, indem sie Elemente der Música Popular Brasileira mit einem zeitgenössischen Touch kombinieren.
Die Gilsons wenden sich nicht ab von dem, was vor ihnen kam, schließlich stammen sie aus einer Familie von Musikern, die ihre eigene Musikalität und ihre Laufbahn als Band sehr beeinflusst haben. In ihren Stücken verbinden sie Elemente aus der afrobrasilianischen Kultur Bahías, des Candomblé und der Rodas, die schon immer Teil des Kosmos der Familie Gil gewesen sind. Die klangliche Poesie, die sie dabei entwickeln, lässt diese Wurzeln wiederauferstehen, wobei sie offen für moderne Einflüsse bleibt und so eine ganz eigene, aktuelle Sprache pflegt. Gestützt auf den Einfluss der großen Namen der Música Popular Brasileira, betreiben die Gilsons eine neue Interpretation eines bereits klassisch gewordenen Repertoires und schaffen sich eine eigene Identität.
Nachdem die Konzerte mit ihrem ersten Album in Brasilien und weltweit ausverkauft waren, gehen die Gilsons 2026 mit einem neuen Album auf Welttournee, um ihre neuesten Hits zu präsentieren.
Seit Anfang an ist das Muffatwerk ein Ort für Musikstile und Traditionen aus allen Kontinenten, und so ist es eine große Freude, dass Daniela Mercury erstmals in München auftreten wird. Nach ihrem Konzert läuft die Aftershowparty mit DJ Carlos.
Die vielseitige Musikerin, Songwriterin und Produzentin aus Salvador de Bahia gilt als die Königin der Música Popular Brasileira und der Axé Musik. Seit 1990 hat Mercury vierzehn Studioalben veröffentlicht und an zahlreichen weiteren Projekten mitgewirkt. Der weltweite Aufstieg der Axé-Musik wurde von Danielas Stimme vorangetrieben, insbesondere durch den Durchbruch von „O Canto da Cidade“ im Jahr 1992, der die Samba-Reggae-Rhythmen von Neguinho do Samba auf die Weltbühne brachte.
2025 begeisterte sie mit dem Song „É Terreiro“ und ihrem Album „Cirandaia Luxo“, das Kritiker bereits als Meisterwerk gelobt haben. Die Künstlerin greift hier konkrete und dringende Themen wie Klimagerechtigkeit, Frieden und die Verbindung zu den Vorfahren auf. Wie schon der Titel andeutet (der Begriff „Cirandaia“ bezieht sich auf einen volkstümlichen Reigentanz), thematisiert dieses Album die brasilianische Kultur, das Gemeinschaftsgefühl und die Stärke der Frauen und verbindet Genres wie Samba-Reggae und Forró mit Galope und Piseiro (Genres aus dem Nordosten) sowie Elementen aus Rock, Kuduro und elektronischer Musik.
Daniela Mercurys weltweite Karriere ist gewaltig: allein im Jahr 2025 waren es 26 internationale Tourneen, darunter eine Europa-Tournee durch 12 Städte. 2022 lockte sie über 100.000 Menschen zu einer einzigen Vorstellung in Porto, Portugal.
Als klassisch ausgebildete Ballerina revolutionierte Daniela Mercury die Bühne, indem sie klassisches Ballett mit afro-brasilianischem und modernem Tanz verschmolz. Sie wird für ihre technische Meisterschaft gefeiert und ist bekannt für ihre Fähigkeit, komplexe, simultane Tanz- und Gesangsarrangements darzustellen.
Ihre künstlerische Hingabe, gepaart mit einem unermüdlichen Einsatz für LGBTQ+ und Menschenrechte, ihr Engagement als Aktivistin und Botschafterin für UNICEF und die UN, macht sie bekannt und beliebt. Im Laufe ihrer Karriere hat sie zahlreiche und vielfältige Auszeichnungen erhalten, darunter den Latin-Grammy-Preis 2007 für “Balé Mulato”.
Heute bin ich ein Horizont / Aus Jasmin und Meer / Und deswegen ist es unwichtig / Dass du nicht vorhast / Ans Meer zu gehen (…)
Mariana Ianelli, Autorin dieser Zeilen, ist eine der elf brasilianischen Stimmen der zweisprachigen Lyrik-Anthologie Heute bin ich ein Horizont. Hoje sou um horizonte (Hagebutte Verlag, 2026), die an diesem Abend im Bellevue di Monaco vorgestellt wird. Die Auswahl der Gedichte, die erstmals auf Deutsch erscheinen, traf der Dichter und Literaturprofessor Leonardo Tonus. Dabei nahm er sowohl etablierte als auch weniger etablierte Namen in den Fokus, so u.a. Dichter*innen wie Adriana Lisboa und Tarso de Melo, Edimilson de Almeida Pereira und Sony Ferseck. Das erklärte Ziel des Herausgebers war es dabei, ein feinfühliges Panorama der aktuellen poetischen Produktionen zu zeigen. Mit diesem Reigen an zeitgenössischen Gedichten, deren Hintergründe, Themen und Formen so unterschiedlich wie vielfältig sind, gelingt es ihm, die literarische, kulturelle und ethnische Diversität Brasiliens abzubilden.
Die Gedichte werden von 21 Illustrator*innen visuell interpretiert: Die Poesie der Texte findet Eingang in Bilder, Zeichnungen und Aquarelle, von feinen Strichen bis zu bunten Flächen, vom Figurativen bis zum Abstakten.
Lilli-Hannah Hoepner hat die Gedichte im regen Austausch mit den Autor*innen ins Deutsche übertragen.
Herausgeber Leonardo Tonus und Übersetzerin Lilli-Hannah Hoepner stellen die Anthologie vor, moderiert vom Hagebutte-Verleger Martin Pflanzer.
Leonardo Tonus geboren in São Paulo, ist Professor für brasilianische Literatur an der Universität Sorbonne. Er lebt seit 30 Jahren in Frankreich und arbeitet in den Bereichen zeitgenössische brasilianische Literatur, Literaturtheorie und vergleichende Literaturwissenschaft mit Forschungen zur Migration. Als Autor publizierte er mehrere Gedichtbände. 2023 erschien sein Lyrikband Diários em mar aberto in der Übersetzung von Lilli-Hannah Hoepner unter dem Titel Aufzeichnungen von hoher See beim Hagebutte Verlag.
Lilli-Hannah Hoepner studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Sie arbeitete als Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Frankfurt und ist seitdem als freie Regisseurin an verschiedenen deutschen Stadttheatern und auch immer wieder in Brasilien tätig. Sie arbeitet als Dialogbuchautorin und Synchronregisseurin sowie als Übersetzerin.
Bedenken wir, dass weltweit über 240 Millionen Menschen Portugiesisch sprechen, und das in einem guten Dutzend Ländern auf vier Kontinenten, können wir erahnen, wie reich und vielfältig die Literaturen der portugiesischsprachigen Welt sind. Auf Anhieb fallen die Namen bedeutender VertreterInnen wie Fernando Pessoa, Clarice Lispector, José Saramago oder Mia Couto. Aber gibt es nicht noch andere AutorInnen zu entdecken? Welche Bücher auf Portugiesisch schreibender AutorInnen sind zuletzt auf Deutsch erschienen? Und wie drückt sich das koloniale Erbe in den lusophonen Literaturen aus?
Luísa Costa Hölzl und Wanda Jakob stellen ins Deutsche übersetzte Werke von bekannten wie von neuen Stimmen und die eine oder andere Wiederentdeckung vor. Die maßgebliche Rolle der ÜbersetzerInnen als VermittlerInnen und KulturarbeiterInnen leuchten sie dabei ebenso aus wie die Arbeit von Kulturvereinen wie Lusofonia e.V., die sich der Verbreitung der portugiesischsprachigen Kulturen verschrieben haben.