Der brasilianische Komponist, Musiker und Produzent Anselmo Mancini improvisiert gemeinsam mit Moisés Pantolfi und Jakob Roters zu Alfred Hitchcocks Stummfilmklassiker. Die hier verwendeten Motive sind sowohl beeinflusst von Komponisten wie Villa-Lobos und Philip Glass, als auch inspiriert durch das Klangbild des Komponisten Bernard Herrmann, der durch eine lange Zusammenarbeit mit Hitchcock bekannt wurde und u.a. die Musik zu den Filmklassikern Vertigo (1958) und Psycho (1964) schrieb.
The Lodger: A Story of the London Fog (1927; deutscher Titel: Der Mieter) basiert auf dem Roman Jack the Ripper und ist Alfred Hitchcocks erster Thriller. Heute gilt er als einer der bedeutendsten britischen Stummfilme, der Kultregisseur selbst bezeichnete den Film als „ersten echten Hitchcockfilm“.
Anselmo Mancini studierte Komposition an der Universität São Paulo und nimmt derzeit im Rahmen seines postgradualen Studiums an einem Austauschprogramm in London teil. Dort erforscht er den Dialog zwischen Komponist und Filmemacher. Seine musikalische Bandbreite als Komponist geht von Klassik über brasilianische Populärmusik hin zu Elektro und Rock. Mancini ist im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2013 (Gastland Brasilien) mit einer Theaterproduktion zu Gast in Deutschland.
Mit Anselmo Mancini, Moisés Pantolfi und Jakob Roters
João Paul Cuenca, 1978 in Rio de Janeiro geboren, erzählt nach seinem futuristischen Roman Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall in Mastroianni. Ein Tag (A1 Verlag, München, 2013, übers. von Michael Kegler) mehr als nur eine Geschichte. Expressiv und ironisch schildert er das Lebensgefühl einer Generation, die sich vor Idolen und Vorbildern nicht mehr retten kann und sich aus lauter Furcht vor Gemeinplätzen untrennbar mit diesen vermischt.
Luiz Ruffato wurde 1961 im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren und wuchs in einer armen Migrantenfamilie auf. Von dieser Herkunft, der Härte, den Entbehrungen und der Grausamkeit des Landlebens, erzählt er schonungslos in seinem aktuellen Roman Mama, es geht mir gut (Assoziation A, Berlin/Hamburg, 2013, übers. von Michael Kegler). Sein vielbeachteter erster Roman Es waren viele Pferde entwirft in 69 Szenen ein kaleidoskopisches Abbild der Megacity São Paulo mit ihrem Glamour, ihrem Elend, ihrer Verlogenheit und ihrem Schmerz.
Die Zwillinge Fábio Moon & Gabriel Bá, 1976 in São Paulo geboren, erzählen in ihrem Comic Daytripper (Panini, 2013) die (möglichen) Leben des Bras de Olivias Dominguez, der in jedem Kapitel an einem anderen Punkt in seinem Leben stirbt, um im nächsten Kapitel wieder lebendig zu sein. Und so erzählt das Buch von Glück und Leid, Gut und Böse, Liebe und Einsamkeit, erforscht unterschiedliche Varianten eines ausgeschöpften Lebens – das jederzeit vorbei sein kann…
Michael Kegler (der auch die Bücher von Cuenca und Ruffato übersetzt hat) führt das Gespräch mit den Autoren. Zwischen sowie nach den Lesungen gibt es Musik und Drinks. Im Anschluss geht es in den Club Harry Klein, mit DJ und VJ-Sets der Protagonisten.
Moderation: Michael Kegler
Brasilien als Ehrengast-Land der Frankfurter Buchmesse 2013 – diesen Anlass feiern LUSOFONIA e.V. und das Lyrik Kabinett mit einem gemeinsamen Abend, der junge portugiesisch-sprachige Lyrikerstimmen aus Brasilien präsentiert:
Érica Zíngano, geboren 1980 in Fortaleza (Brasilien), Lyrikerin und bildende Künstlerin, veröffentlichte 2010 den Lyrikband fio, fenda, falésia, der das Konzept individueller Autorschaft infrage stellt. In ihrem Blog zeigt sie visuelle Projekte. Sie lebt derzeit in Lissabon. Ricardo Domeneck, geb. 1977 in Bebedouro (São Paulo), lebt seit über zehn Jahren in Berlin – als Lyriker und Übersetzer (u.a. von Hans Arp, HC Artmann, Thomas Brasch), sowie als vielseitiger Performer, DJ und Videokünstler. Vorgestellt werden die beiden von ihrer Übersetzerin Odile Kennel.
Gelesen werden Texte, die in einem aktuellen Dossier der Neuen Rundschau zu neun brasilianischen Dichterinnen und Dichtern erscheinen, und aus Ricardo Domenecks Band Körper. Ein Handbuch (Verlag Johannes Frank, 2013).
Moderation: Luísa Costa Hölzl
Dreierkonstellationen haben es in sich. Vielleicht sind sie deshalb so gut als Folie für neue Erzählformen geeignet. Die Autorinnen Andréa del Fuego und Carola Saavedra stellten ihre Dreiecksgeschichten im Literaturhaus vor.
Andréa del Fuego, 1975 in São Paulo geboren, legt mit ihrem Debüt Geschwister des Wassers (Hanser Verlag, 2013, übersetzt von Marianne Gareis) eine Geschichte dreier Geschwister vor, die – vom Schicksal getrennt – sich immerfort suchen und verlieren. Auf magische und beinahe hyperrealistische Weise sondiert die Autorin die seelischen Weiten ihres Landes.
Carola Saavedra, 1973 in Chile geboren, ist seit ihrem dritten Lebensjahr in Brasilien verwurzelt. In Landschaft mit Dromedar (Beck Verlag, 2013, übersetzt von Maria Hummitsch) versucht Érika, ihre künstlerische und amouröse Dreiecksbeziehung zu Alex und Karen auszuloten. In 22 Tonbandaufnahmen aus Erinnerung, Reflexion und Fantasie entwickelt Saavedra mit einem ungewöhnlichen Erzählformat eine literarische Installation und stellt die klassischen Beziehungsvorstellungen in Frage.
Moderation: Wanda Jakob
Konsekutivübersetzung: Patricia Viegas-Louro
Amadeu wittert seine große Chance, als er eine Tasche voll Kokain aus dem Chefbüro einer Pornoproduktionsfirma entwendet. Er macht es zu Bargeld, um seine Geliebte, eine illegale Preisboxerin, von ihren Schulden zu befreien und mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Den Erlös und einen Rest Kokain versteckt er unter den Dielen eines Dachbodens. Doch dann kommt alles anders, Amadeu wird überfahren …
Die Autorin bedient sich in ihrem unterhaltsamen und packenden Roman eines schwindelerregenden Reservoirs an Situationskomik mit absurden Zufällen, einem Schmuck schluckenden, koksenden Chihuahua, mit Toten und zwielichtigen Gestalten, die sich ihren Lebensunterhalt mit Raub, Mord, kultigen Pornofilmen und Drogengeschäften verdienen.
Ana Paula Maia, geboren 1977 in Nova Iguaçu, einer Vorstadt Rio de Janeiros, hat als Jugendliche in einer Punkband gespielt. Während ihres Studiums der Publizistik begann sie neben Werbetexten auch Theaterstücke, Drehbücher und Romane zu schreiben. Eine ihrer Novellen gab sie in zwölf Folgen und mit dem Zusatz »Pulp-Feuilletons« selbst online heraus, weil sie davon ausging, damit keinen brasilianischen Verleger zu finden, der mutig genug wäre, sie zu veröffentlichen. Mittlerweile publiziert sie bei einem der größten Verlage Brasiliens. Ihr Roman Krieg der Bastarde (übersetzt von Wanda Jakob, A1 Verlag München, 2013) wird in Brasilien verfilmt. Ana Paula Maia lebt in Rio.
Übersetzung & Moderation: Wanda Jakob